Am 01. September startete in den meisten Betrieben in Bayern das neue Ausbildungsjahr. Vergangenen Herbst starteten 83 000 Menschen in Bayern eine Ausbildung – das waren allerdings über 8 Prozent weniger als im Vorjahr.
Die Pandemie hat auch hier einen deutlichen Einfluss. Wir müssen das System der dualen Ausbildung stärken und dafür sorgen, dass jede Person eine Ausbildung machen kann.
Was dafür nötig ist und welche Stellschrauben wir noch drehen müssen, um die Ausbildungsbedingungen zu verbessern, darum soll sich hier alles bei der Fokuswoche Ausbildung drehen.
Wenige Entscheidungen sind für junge Menschen von so großer Bedeutung wie die, welchen Beruf man nach der Schule erlernen will.
Arbeit und Ausbildung sind nicht nur dafür da, Geld zu verdienen. Unsere Arbeit bildet auch einen wichtigen Teil unserer Identität. Deshalb ist eine gute Berufsberatung in den Schulen entsprechend der Möglichkeiten der Schüler*innen extrem wichtig.
Schüler*innen brauchen Möglichkeiten, sich zu orientieren und auszuprobieren. Sie müssen wissen, wo und wie sie wenn nötig den nächsten Schulabschluss machen können. Einige brauchen Unterstützungsangebote in der Berufsschule und dem Ausbildungsbetrieb – für junge Menschen mit Förderbedarf gibt es noch deutlich zu wenig Angebote. Diese müssen wir überall schaffen, damit die Jugendlichen und jungen Erwachsenen ihre Ausbildung abschließen können.
Auch die Jugendberufsagenturen, die Olaf Scholz als Hamburger Bürgermeister eingeführt hat und die es seitdem in immer mehr Orten gibt, müssen flächendeckend ausgebaut werden, damit junge Menschen eine Anlaufstelle haben, wo sie sich informieren können und individuelle Förderung und Beratung erhalten.
Die meisten Ausbildungen in Deutschland sind duale Ausbildungen – und das ist gut so.
Das duale System ermöglicht Azubis, ihren Beruf gleichzeitig praktisch zu erlernen und die theoretischen Grundlagen zu erwerben.
Die hohe Qualität der dualen Ausbildung wollen wir erhalten und sie stärken.
  • Jeder Betrieb soll sich an der Ausbildung unserer Fachkräfte beteiligen. Deswegen werden wir eine Ausbildungsumlage einführen.
  • Auch in Gesundheits-, Erziehungs- und Pflegeberufen soll die Ausbildung überall dual und nicht mehr ausschließlich in der Schule stattfinden. So werden die Ausbildungen für alle kostenfrei und die Azubis erhalten eine Vergütung.
  • Mehr Regeln braucht es dringend beim dualen Studium: Eine klare Abgrenzung des Begriffs und eindeutige Leitlinien für den betrieblichen Ausbildungsplan. Darum wollen wir, dass auch das duale Studium in das Berufsbildungsgesetz aufgenommen wird und damit Schutzrechte und Qualitätsstandards wie in der dualen Ausbildung gelten.
“Bei uns in der Region bleiben doch immer wieder viele Lehrstellen frei, wieso fordert ihr dann eine Ausbildungsplatzgarantie?” – Gute Frage!
Eine Ausbildungsplatzgarantie bedeutet für uns nicht nur, dass Du einen Ausbildungsplatz hast, sondern, dass du einen hast, der zu dir passt. Freie Ausbildungsstellen findet man vor allem in Berufen, die weniger attraktiv sind, zum Beispiel, weil man oft am Wochenende arbeiten muss oder wenig Vergütung bekommt. Hier kann man die Attraktivität der Ausbildung steigern, zum Beispiel mit einer höheren Ausbildungsvergütung.
Einige Lehrstellen bleiben auch frei, weil die Betriebe angeben, keine passenden Bewerber*innen zu finden.
Laut DGB haben Menschen mit Hauptschulabschluss auf dem Ausbildungsmarkt kaum noch Chancen, an vielen Stellen werden Realschulabsolvent*innen und Abiturient*innen bevorzugt eingestellt.
Besonders gravierend ist die Situation für Menschen mit Migrationsgeschichte oder Beeinträchtigungen – sie werden häufig nicht einmal zum Bewerbungsgespräch eingeladen. Betriebe müssen den jungen Menschen eine Chance geben, und Betriebe müssen darin unterstützt werden, die Azubis angemessen zu unterstützen!
Unter anderem sollte das Modell der assistierten Ausbildung daher deutlich ausgeweitet werden.
Ein letzter wichtiger Punkt ist die regionale Verteilung: Während bei uns teilweise Stellen unbesetzt bleiben, gibt es in anderen Regionen weniger Ausbildungsplätze als Bewerber*innen. Man kann von jungen Menschen nicht erwarten, für die Ausbildung von zum Beispiel Nordrhein-Westfalen nach Ebersberg oder Erding zu ziehen – vor allem, weil sie hier kaum eine bezahlbare Unterkunft finden dürften.
Wir brauchen passende Ausbildungsplätze für alle – überall!
Mit dem Ende der Ausbildung endet die berufliche Bildung nicht.
Menschen wollen oder müssen sich beruflich weiterentwickeln.
Dabei werden wir sie unterstützen – unabhängig davon, welchen Bildungsabschluss sie bisher haben und wie alt sie sind.
Wir schaffen ein Recht auf Weiterbildung!
  • Weiterbildungen und Umschulungen unabhängig vom Betrieb fördern wir mit der Bildungs(teil)zeit. Damit bekommen die Menschen das Recht, sich für Qualifizierungsmaßnahmen vom Betrieb freistellen zu lassen.
  • Wir unterstützen Menschen, die sich weiterqualifizieren wollen, finanziell, damit die Entscheidung für eine Weiterbildung nicht vom Geldbeutel abhängt.
  • Die Bundesagentur für Arbeit wird zur Bundesagentur für Arbeit und Qualifizierung. Damit verbunden ist ein deutlicher Ausbau des Beratungsangebotes, damit jede*r individuell beraten werden kann.

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