Pressemitteilung

Veranstaltungen mit Simone Fleischmann (BLLV) – „Wenn es um Bildung geht, müssen wir Ungleiches ungleich behandeln.“

Obwohl noch keine der beiden Veranstaltungen eröffnet war, entspannen sich schon vor Beginn angeregte Gespräche über den besten Weg in der Bildungspolitik. Diese Diskussionsfreudigkeit durchzog die beiden Gesprächsrunden, zu denen SPD-Bundestagskandidatin Magdalena Wagner am 31. August und am 2. September eingeladen hatte. Als Expertin nahm beide Male Simone Fleischmann, die Präsidentin des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands (BLLV), teil.

Zum Auftakt stand am Dienstag in Zorneding das Thema Ganztagsschule im Fokus. Für Wagner, die selbst Gymnasiallehrerin ist, zeigt auch die Erfahrung mit dem Konzept an ihrer früheren Schule, dass individueller auf die Bedürfnisse von Schüler*innen eingegangen werden könne. Auch Simone Fleischmann sieht das als wichtigen Punkt. „Ganztag ist nicht Unterricht von acht Uhr bis halb vier. Ganztag ist ganzheitliches Lernen und individuelle Förderung“, sagt sie dazu. Beide wünschen sich den Wandel weg vom Lernen auf eine Probe in einem Fach hin zu einem phänomenologischen Konzept. Bei diesem funktioniert der Unterricht fächerübergreifend und orientiert sich daran, was gerade in der Welt passiert.

Diese Konzepte könnten aber nicht angewendet werden, wenn die Finanzierung nicht stimme. Die Kürzungen in den vergangenen Jahren und der aktuelle Lehrkräftemangel mache es gerade an Mittelschulen unmöglich, einen funktionierenden Ganztag auf die Beine zu stellen, sagt Fleischmann, die früher Rektorin der Mittelschule in Poing war. Zwar wären einzelne Gemeinden wie eben Poing unter Bürgermeister Albert Hingerl von der SPD eingesprungen, aber ohne Landesmittel ließe sich das für viele Kommunen kaum stemmen.

Kandidatin Wagner sieht das Thema Ganztag auch als Teil einer größeren Herausforderung. „Es dauert im Schnitt sechs Generationen, bis man durch Bildung von der Unterschicht in die Mittelschicht aufsteigt. Bildung ist in unserer Gesellschaft eine Gerechtigkeitsfrage.“ Hier spiele auch die Bundespolitik eine Rolle, so will Wagner in Berlin den Rechtsanspruch auf eine Ganztagsschule wieder auf die Agenda bringen.

„Wir müssen hier Ungleiches ungleich behandeln.“

Die Inhalte und das Format hatten sich im Wahlkreis offenbar schnell herumgesprochen, denn am Donnerstag begrüßte Magdalena Wagner einen vollen Saal zur zweiten Veranstaltung zum Thema der Durchlässigkeit im Bildungssystem.

Zur Sprache kam hier schnell der berüchtigte Übertritt nach der vierten Klasse beziehungsweise die Wahl einer weiterführenden Schule. Die Erwartungshaltung, dass Kinder auf das Gymnasium gehen müssten, habe dramatische Folgen, so Wagner. Sie begegne bei ihrer Arbeit als Schulpsychologin oft Kindern, die unter Prüfungsangst litten und Angst hätten, das Gymnasium wieder verlassen zu müssen. Simone Fleischmann unterstrich dazu auch den Effekt, den das Übertrittszeugnis mit seinen drei entscheidenden Noten habe. Dieses „Grundschulabitur“ terrorisiere alle von den Schüler*innen bis zu den Lehrkräften. Wichtig sei deshalb zunächst, dass nicht mehr der Notenschnitt über die weiterführende Schule entscheide, sondern die Eltern die Entscheidung nach tatkräftiger Beratung der Lehrkräfte träfen. Auf lange Sicht, das sagt auch Wagner, brauche man aber eine Gesamtschule, die länger als bis zur vierten Klasse dauere. Das sorge auch dafür, dass Kinder aus allen Schichten länger gemeinsam zur Schule gingen.

Dieser soziale Aspekt kam in Laufe des Abends immer wieder zum Tragen, gerade, wenn es um die Schulausstattung ging. Der BLLV fordert hier, mit einem Sozialindex dafür sorgen, dass die Bedürfnisse vor Ort über die Zahl der zugeteilten Lehrkräfte entscheiden. Das unterstützt auch Wagner, sie meint dazu: „Wir müssen hier Ungleiches ungleich behandeln.“ Sie will auch dafür sorgen, dass beim Thema Mieten und Wohnen angesetzt wird: „Nur, wenn in einem Viertel oder Dorf unterschiedliche Schichten zusammenleben, sieht man dies auch in der Schule. Die Kinder können viel voneinander und miteinander lernen und Vorurteile werden abgebaut.“ Dafür brauche es überall bezahlbaren Wohnraum.

„Wir Jusos haben in der letzten Bundesregierung die Mindestvergütung für Auszubildende erstritten. Das ist ein echter Fortschritt!“

Doch nicht nur die weiterführenden Schulen, sondern auch der Wechsel zur Ausbildung kommt zur Sprache. Für Wagner und die Jusos ist das ein wichtiges Thema. „Wir Jusos haben in der letzten Bundesregierung die Mindestvergütung für Auszubildende erstritten. Das ist ein echter Fortschritt!“ Die Höhe sei zwar noch nicht ausreichend, leider sei da mit der Union aber nicht mehr gegangen. Sie werde deshalb am Ball bleiben, genauso wie bei der Ausbildungsumlage. Weil nur ein Fünftel der Betriebe auch ausbildet, will Wagner genauso wie die Jusos die Firmen in die Pflicht nehmen, die keine Ausbildungsplätze anbieten. Sie sollen dann in einen Fond zur Unterstützung von Auszubildenden einzahlen.

Mit ihrer abschließenden Aussage meint die Kandidatin aber alle angesprochenen Aspekte. „Es sind so viele gute Ideen da – aber es ist so frustrierend, wenn dann trotzdem nichts passiert!“.

Damit sich das ändert, das meint zumindest Magdalena Wagner, brauche es eine neue Regierung: „Nach den derzeitigen Zahlen haben wir auch eine reale Chance, dass die SPD stärkste Kraft und Olaf Scholz Bundeskanzler wird. Gemeinsam mit dem oder den neuen Koalitionspartnern können wir dann als führende Partei deutlich mehr umsetzen.“ Deswegen werde sie weitermachen und für ihre Themen und die der SPD werben.

Du möchtest mehr über meine Inhalte erfahren?